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Ein bisschen Schmerz muss man doch aushalten können?

Niemand kann den Schmerz, den eine andere Person fühlt, nachempfinden und wirklich darüber urteilen.

Zusätzlich zum Schmerz haben viele Patienten Angst und sind verzweifelt, was die Schmerzwahrnehmung wiederum verstärkt. Die Aufforderung " sich endlich einmal zusammen zu nehmen..." ist für einen Schmerzleidenden genausowenig hilfreich wie übertriebene Fürsorge.

Die Folgen eines nicht ausreichend behandelten Schmerzes dürfen nicht unterschätzt werden. So kann z. B. anhaltender Schmerz nach Operationen zu einer Verzögerung der Erholung führen und birgt darüber hinaus die Gefahr einer Chronifizierung. Es ist durchaus angebracht und vernünftig, schmerzstillende Massnahmen zu verlangen, statt einen Schmerz aus falsch verstandener Tapferkeit durchstehen zu wollen.

Wenn jemand in Ihrem Freundeskreis oder in Ihrer Familie immer wieder über Schmerzen klagt, sollten Sie dies auf jeden Fall ernst nehmen. Das bedeutet nicht, sich kommentarlos immer wieder endlose Schmerzschilderungen anzuhören oder den Schmerzleidenden vor allen sonstigen Unannehmlichkeiten "beschützen" zu wollen. Vielmehr sollten Sie den Schmerzkranken darin bestärken, selbst etwas gegen seine Schmerzen zu tun. Aktiv werden ist allemal besser als Erdulden!

Wenn Sie selbst unter Schmerzen leiden, sollten Sie diese ernst nehmen. Gehen Sie zu einem Arzt und lassen Sie die Ursachen abklären. Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt Strategien, Ihren Schmerz zu lindern. Da eine völlige Schmerzfreiheit in der Regel nicht von heute auf morgen erreichbar ist, setzen Sie sich zunächst Etappenziele: Schmerzlinderung, schmerzfreie Phasen, den Alltag trotz Schmerzen bewältigen, trotz Schmerzen etwas Schönes unternehmen, ...

Reden Sie mit Freunden und der Familie über Ihr Leiden, aber machen Sie es nicht zum einzigen Gesprächsthema. Fragen Sie sich auch einmal, welche Rolle der Schmerz in Ihrem Leben einnimmt bzw. welchen Stellenwert Sie ihm zugestehen. Es mag eine unbequeme Wahrheit sein, aber nicht wenige Schmerzpatienten lassen sich in ihrem Leid versinken, um sich mit anderen Dingen nicht (mehr) auseinander setzen zu müssen.